Ladungssicherung: Richtig und wichtig!

Polizeihauptkommissar Holger Lemmer ist Dozent für Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen

Herr Lemmer, Ladungssicherung steht immer wieder mal im Fokus der Medien. Horrorszenarien beherrschen dann die Bildschirme. Halten Sie diesen Hype für übertrieben oder sehen wir gar nur die Spitze des Eisberges?
Holger Lemmer: Es bleibt stets bei einer Einzelfallbetrachtung. Allerdings halte ich die Aussage nicht für übertrieben, dass nahezu 70 Prozent aller Fahrzeuge nicht oder zumindest nicht richtig gesichert sind. Davon sind einige Fälle erschreckend gefährlich. Der Wettbewerbsdruck unter den Speditionen nimmt immer weiter zu, die Fahrer stehen unter Zeitdruck.

Wie verträglich ist diese Entwicklung mit dem Thema Ladungssicherung? Welchen Rat kann man den Fahrern geben?
HL: Fahrer müssen natürlich erst einmal richtig unterwiesen werden, so dass sie die Ladungssicherung einfach, schnell und zugleich sicher durchführen können. Natürlich hat der Fahrer sich danach weiterhin zu informieren und fortzubilden, ansonsten kann er den immer wieder neuen und höheren Anforderungen an seinen Beruf nicht gerecht werden. Er sollte die Ladungssicherung so einfach wie möglich betreiben. Es darf einfach nicht mehr sein, dass jemand versucht, seine Ladung mit zum Beispiel zwanzig Zurrmitteln nieder zu zurren. Werden dem Fahrer jedoch bloße „Absichtserklärungen“ vermittelt, ohne konkreten Bezug zur Praxis, wird jede Unterweisung, jeder Unterricht und jede Beschulung für Ladungssicherung das Ziel einer besseren und sicheren Ladung auf Straßenfahrzeugen mit hoher Wahrscheinlichkeit verfehlen. Insbesondere werden in schwierigen Bereichen wie bei der Beförderung von gefährlichen Gütern, präzise branchenspezifische und für die Praxis geeignete Handlungsanweisungen dringend benötigt.

Deutschland kommt als zentralem Transferland eine besondere Bedeutung bei der Kontrolle der Ladungssicherungzu. Ist vor allem bei unseren östlichen Nachbarn das Bewusstsein für Ladungssicherung vorhanden?
HL: In Deutschland ist das Thema Ladungssicherung schon seit einigen Jahren in den Fokus vieler Beteiligter gerückt. Die Wahrnehmung über Gefahrenprognosen ist längst geschärft. Einige Länder im gesamten europäischen Raum haben hier sicher noch Nachholbedarf. Die DIN EN 12195-1 befindet sich nicht ohne Grund seit Ende 2005 in der Überarbeitung. Ziel ist es, diese Vorschrift mit denen der IMO/ILO/UNECE Guidelines in Übereinstimmung zu bringen. Die Harmonisierung mündet letztendlich in der europäischen Leitlinie “European Best Practice Guidelines on Cargo Securing for Road Transport”, die sich in ihrem Inhalt auf die derzeit unterschiedlichen Normen bezieht.

Spricht man mit Brummi-Fahrern, bemängeln diese häufig die im Einzelfall subjektive Beurteilung von Ladungssicherungsmitteln bzw. Ladesituationen. Bei einer Kontrolle werden keine Mängel festgestellt und einige Kilometer weiter, bei der nächsten Kontrolle, ist ein Bußgeld fällig. Wie ist das möglich? Gibt es keine Kontrollstandards?
HL: Ob Fahrer, Verlader, Halter oder Kontrolleur – die anerkannten Regeln der Technik und somit auch die Berechnung sind für alle gleich. Eigene Kontrollstandards sehe ich dabei für nicht zwingend erforderlich an. Jeder Einzelfall ist nach pflichtgemäßem Ermessen zu beurteilen.

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